Gedanken zum Matratzenkauf
Woraus soll eine gute Matratze bestehen?
Da der Mensch mindestens ein Drittel seines Lebens im Bett verbringt, ist die
Überlegung, worauf man schläft, eine wesentliche Entscheidung. Bei
der Auswahl von Materialien für die Matratzenherstellung fällt natürlich
Metall (Federkern) durch seine die elektromagnetischen Felder und Erdstrahlen
verstärkende Eigenschaft weg. Kunststoffe sollten sowohl aus ökologischen
wie auch aus gesundheitlichen Überlegungen ebenfalls ausscheiden. Was bleibt,
ist eine Reihe von Naturfasern, also nachwachsende Rohstoffe, die zum allergrößten
Teil auch wieder in den natürlichen Kreislauf rückführbar sind,
also im wahrsten Sinne des Wortes „ent-sorgt“ werden können.
Futon oder Matratze?
Auch aus solchen Überlegungen entstand eine starke Strömung hin zum
sogenannten Futon – eine in dieser Art aus Japan kommende, mit ungebundene
Fasern gefüllte Schlafmatte, die rollbar ist. Alle Bettstätten aber,
die keine zusätzliche elastische Komponente beinhalten und ausschließlich
mit Fasern, egal ob Schafwolle, Hanf, Baumwolle, Flachs, Stroh, Kapok u.a. gefüllt
sind, „müssen“ bald eine Mulde ausbilden. Schließlich
haben auch die europäischen Bauern ihre „Futons“ (Strohsäcke)
jedes Jahr neu gefüllt. Beim Kauf sollte man sich also fragen, ob die Schlafunterlage
rollbar sein muss oder eine starre, vollwertige Matratze sinnvoll ist.
Latex
Um nun dauerhaftere Elastizität zu erreichen, damit die Matratze am Becken
und an der Schulter nachgibt und man so mit geradem Rückgrat schläft,
kommt man am guten alten „Gummi“ kaum vorbei. Es sind etwa zweihundert
Pflanzenarten, die Kautschuk produzieren, bekannt, vor allem in den Tropen.
Die wichtigste Pflanze ist die Hevea brasiliensis, aber auch der Guayulestrauch
(besonders Mexiko) findet Verwendung. Dabei wird die Rinde – ähnlich
wie in Europa bei Lärchenbäumen zur Gewinnung von Harz für z.B.
Kolophonium – angeritzt und die Kautschukmilch in Behältern unter
Zugabe von geringsten Mengen an Chemikalien mit Luft im Schaumschlagverfahren
aufgeschäumt und danach gewaschen.
Kokosfasern
Eine andere Möglichkeit, einen elastischen Matratzenkern zu erhalten, ist,
die Faser reifer Kokosnüsse mit Kautschukmilch zu verpressen. Aus dem Verhältnis
50:50 oder 40:60 kann man nun verschiedene Liegehärten erzielen. Bei Tests
des Institutes für Baubiologie an Produkten von bestimmten Lieferanten
in einer Prüfkammer bei 30º C und 60% Luftfeuchtigkeit waren nach
vier Tagen sämtliche möglichen Schadstoffe (wie z.B. Formaldehyd und
aromatische Kohlenwasserstoffe) nicht nur unter einem Grenzwert, an den man
glauben kann oder nicht, sondern unter der Nachweisgrenze! Obwohl das für
beide zuletzt beschriebenen Produkte gilt, ist doch die Atmungsaktivität
der Kokos-Latexmatten aufgrund ihrer Grobporigkeit deutlich besser, und das
Material fühlt sich einfach sympathischer an. Auch aus politisch-ganzheitlicher
Sicht ist die Verwendung beider Materialien trotz des langen Transportweges
vertretbar, da das Endprodukt in den Lieferländern hergestellt wird und
so die Wertschöpfung bei den Menschen an Ort und Stelle bleibt. Die Alternative
wäre nur, die Latexmilch zu importieren und dann heimische Fasern damit
zu binden, was aber sicher „kolonialistischer“ wäre.
Schafwolle
Bleibt nur noch, sich über die Abdeckung des Matratzenkernes Gedanken zu
machen. Aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften bietet sich Schafwolle als
erstes an. Sie ist ein heimisches Produkt, atmungsaktiv und nimmt ein Vielfaches
ihres Eigengewichtes an Flüssigkeit auf. Der Mensch gibt ja pro Nacht etwa
ein bis zwei Liter Körperflüssigkeit in Form von Atmung und Schwitzen
ab. Das Bett sollte deswegen unbedingt von unten belüftet sein –
also nicht bis zum Boden reichen oder zumindest Lüftungsschlitze haben,
möglichst keine Bettlade bis obenhin gefüllt darunter, auch keine
durchgehende Holzplatte als Liegefläche haben. Ideal ist ein Lattenrost
oder normale Holzbretter mit Zwischenräumen. Nur dann kann man die positiven
Eigenschaften der Schafwolle auch nützen. Wenn die Wolle noch einen Großteil
ihres ursprünglichen Wollfetts (Lanolin) enthält, bleibt sie geschmeidig
und wird nicht spröde. Im Laufe der Jahre macht sie in Verbindung mit der
Körperwärme eine Art Filzvorgang durch. Da es Schafe von heißen
Regionen bis Skandinavien gibt und Wüstenvölker Wolle gegen die Hitze
am Körper tragen, ist klar, dass Schafwolle Temperatur-ausgleichend und
nicht zwingend warm ist. Weswegen das Argument des Handels für eine Matratze
mit Rosshaarauflage als kühle Sommerseite nicht unbedingt nachvollziehbar
ist – wiewohl Rosshaar ebenfalls gute Liegequalitäten aufweist.
Alternativen zur
Schafwolle
Wer nicht auf Tierhaar liegen möchte, kann sich nun für Baumwolle,
Kapok, Stroh, Flachs oder Hanf entscheiden. Baumwolle – das ist bekannt
– kommt von weit her und ist nur in geringem Maße aus biologischer
Landwirtschaft erhältlich. Kapok hat ebenfalls einen weiten Weg hinter
sich und wird zudem selten angeboten. Stroh eignet sich ungebunden nicht besonders
gut, weil es bald brüchig wird und sich stark verdichtet. Flachs (Leinen)
und Hanf entsprechen eigentlich allen Anforderungen, zumal sie in unserem Klima
prächtig gedeihen. Im Fall von Hanf wird der mürbe gemachte Stängel
gebrechelt – eine Art Quetschvorgang – und dann mit dem „Rechen“
in feine Fasern gespalten. Je nach Weiterverarbeitung erhält man nun Seile,
Stoffe oder die wollartige Konsistenz für Dämmstoffe oder eben Matratzenauflagen.
Da die Hanfpflanze zur Gänze verwendet wird (die Samen z.B. für Öle
etc.), kein Starkzehrer ist und nicht synthetisch gedüngt wird, stellt
sie eine gute Alternative zur Schafwolle im Schlafbereich dar.
Wann soll eine Matratze
ausgetauscht werden?
Weil organische (eben lebendige) Materialien menschliche Schwingung, also auch
etwaige Krankheiten und Missstimmungen, aber auch einfach Ausdünstungen,
annehmen, sollte zirka alle sieben Jahre die Matratze ausgewechselt werden.
Die Matratze für’s Leben gibt es also nicht. Deswegen sind Argumente
für einen hohen Preis, z.B. weil die Matratze aus fünf oder manchmal
bis zu acht verschiedenen Materialschichten besteht, keine guten. Die Matratze
sollte luftdurchlässig sein, deswegen möglichst wenig verschiedene
Materialien enthalten, und sie sollte leistbar sein, denn in sieben Jahren ist’s
wieder so weit …